Für Griechenland dürfte es sehr schwer werden neue Staatsanleihen an den internationalen Märkten zu verkaufen. Gelingt dies auf Dauer nicht, könnte Griechenland seine alten Anleihen nicht mehr zurückzahlen und wäre technisch betrachtet bankrott. Die Kurse für Versicherungspapiere für griechische Staatsanleihen (CDS - Credit Default Spreads) sind extrem gestiegen und signalisieren den Stress im System. Der Euro ist in Folge dieser sich zuspitzenden Situationen an den internationalen Devisenmärkten seit Jahresbeginn deutlich abgesackt.
Nun stellt sich die Frage, soll der Rest von Europa Griechenland helfen, oder lieber zusehen, ob die Griechen ihr Schulden alleine in den Griff bekommen. Bisher haben sich die europäischen Politiker auf verbale Unterstützung und gleichzeitige Sparmaßnahmen Griechenlands sowie deren Überprüfung durch die europäische Zentralbank geeinigt. Oberflächlich scheint es, als ob diese Doppelstrategie vorerst aufgehe. Doch auch an anderen Fronten im europäischen Währungssystem kriselt es.
Das britische Pfund steht immer mal wieder unter kurzfristigen Abwertungsattacken. Die Staatsverschuldung des Vereinigten Königreiches ist in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise dramatisch angestiegen. Noch vor kurzem waren die Briten ein Musterknabe in Sachen Verschuldung wie Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostatt zeigen (http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/eurostat/home/). Doch die dramatische Finanzkrise zeigt die Schwächen des britischen Systems. In Großbritannien stehen zudem Wahlen vor der Tür, so dass auch die politische Unsicherheit zunimmt. Umso mehr, da Umfragen bisher keinen klaren Sieger sehen.
Die Kritiker der Währungsunion haben diese Probleme vorausgesehen. Ohne eine einheitliche Wirtschaftspolitik könne kein Währungsraum existieren. Dieser Kritik sollte mit dem Maastricht-Vertrag Rechnung getragen. Staaten dürften sich nur bis 60 Prozent ihres Bruttouinlandsproduktes (BIP) verschulden. Ihre jährliche Kreditaufnahme bei maximal 3 Prozent des BIP liegen. Doch Griechenland und andere Staaten verletzten diese Kriterien, im Fall der Griechen auch auch durch Zahlenschummelei und Finanzierungstricks.
Also keine Hilfe? Jetzt Griechenland zu helfen würde einige negative Effekte haben. Zunächst die direkten Kosten. Jede Milliarde die Deutschland an Griechenland überweist kann nicht in Deutschland ausgegeben werden. Zudem entsteht ein moralisches Problem. Wie soll die griechische Regierungen Sparmaßnahmen durchsetzen, wenn Europa als Gemeinschaft ohnehin mit Geld zur Verfügung steht? Weiterhin könnten sich Nachahmer einstellen, die ihre Staatsfinanzen ebenfalls nicht sanieren wollen und stattdessen auf Gemeinschaftshilfe setzen. Es entsteht ein Trittbrettfahrer-Problem, oder wie die Finanzwissenschaft sagt, ein "moral hazard".
Was aber passiert, wenn Europa jetzt nicht hilft? Es droht ein weiterer Vertraunesverlust im Euro sowie deutlich höhere Zinsen für andere gefährdete Schuldnerstaaten wie Irland, Spanien oder Portugal. Im Internet findet sich die Schuldenuhr Europas (www.kredit-karte.eu), eine nach Ländern aufgeteilte dynamische Übersicht über die teils dramatische Entwicklung der Verschuldung im Euroraum. Es könnte erneut zu einem Schneeballeffekt wie nach der Lehman Pleite kommen. Banken oder andere Finanzintermediäre, die griechische Staatspapiere in ihren Anlagebeständen halten, müssten diese abschreiben und erneut große Verluste ausweise, es könnte zu weiteren Bankenpleiten kommen, wo erneut Staatsgelder in Gefahr wären. Eine erneute Wirtschaftskrise/Rezession könnte sich daran anschließen.
Die kurzfristigen Risiken sind also hoch. Deshalb muss Europa helfen, wenn es nötig ist mit allen Mitteln, die Alternativkosten wären noch höher. Allerdings muss Griechenland für diese Hilfe auch harte Gegenleistungen erbringen. Einsparungen, Verkauf von Staatsbeteiligungen müssen folgen. Zudem müssen die Kriterien des Maastrichter Vertrages auch und gerade in wirtschaftlich guten Zeiten eingehalten und streng überprüft werden. Strafen für eine Verletzung müssen hart sein, und langfristig muss es auch die Option geben können, ein dauerhaft schwaches Land aus der Währungsunion auszuschließen.
Aber selbst wenn das Verschuldungsproblem in Griechenland aber auch in Großbritannien zunächst ohne schwerwiegende Devisencrashes gelöst werden kann, es bleibt langfristig das Inflationsproblem. Die Zentralbankpolitik des laxen Geldes und der niedrigen Zinsen dürfte auf Dauer nicht ohne Folgen für die Preisstabilität bleiben. Der schlaue Investor sollte sich auf eine verstärkte Inflationsgefahr vorbereiten. Denn für Staaten und besonders Politiker ist es leichter, eine Entschuldung über eine Geldentwertung zu lösen, als über neue Abgaben und Steuern. Schon leisten einige Wissenschaftler aber auch Ökonomen aus Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds Schützenhilfe. Das bisherige offizielle oder heimliche Inflationsziel der Zentralbanken in Höhe von drei Prozent solle zugunsten neuer höherer Ziele über Bord geworfen werden. Dabei haben die praktischen Erfahrungen der siebziger Jahre und die folgende wirtschaftliche Diskussion (Philips-Kurve) gezeigt, eine Wirtschaftskrise wird nicht durch Geldentwertung gelöst.
Staatsverschuldung